Unsere Gesellschaft ohne pflegende Angehörige?!

Mehr als zwei Millionen Menschen in Deutschland sind Pflegebedürftig. Der größte Teil (etwa 69 Prozent) wird Zuhause, also in den eigenen vier Wänden, von Angehörigen betreut. Das ist für die pflegenden Angehörigen eine sehr belastende Erfahrung, die nicht selten an die eigene Substanz geht und somit die eigene Gesundheit belastet.

Was bedeut es für uns alle, wenn diese pflegenden Angehörigen ab morgen streiken oder wenn es sie einfach nicht mehr gibt?

Klar, die normale Antwort könnte lauten: Was geht mich das an?

Ich bin jung und habe keine Verwandten, die gepflegt werden müssen. Und dennoch behaupte ich, dass es uns alle, also die gesamte Gesellschaft etwas angeht!

Warum leisten pflegende Angehörige der gesamten Gesellschaft einen sehr großen Dienst?

Genau da möchte ich einmal ansetzen und erläutern, warum pflegende Angehörige der gesamten Solidargemeinschaft Deutschland, einen großen Dienst erweisen. Dabei lasse ich absichtliche sämtlliche menschliche und emotionale Gefühle aussen vor. Obwohl ich zugebe, dass es mir schwer fällt, da wir bei Pflegebedürftigen immer und ausschliesslich über Menschen sprechen, die selbst ebenfalls Empfindungen und Gefühle haben. Hier geht es aber nur um monitäre, also finanzielle Gesichtspunkte, die alle betrifft.

Was ist nun, wenn es keine pflegenden Angehörigen mehr gibt? – Was ist, wenn sich niemand mehr für pflegebedürftige Menschen verantwortlich fühlt?

Die Antwort auf diese Fragen ist relativ einfach:

Die Pflegekassen wären innerhalb sehr kurzer Zeit zahlungsunfähig! – Sie fragen sich nun, warum das denn?

Wer soll sich um die pflegebedürftigen Personen kümmern, wenn es nicht die Angehörigen in den eigenen vier Wänden übernehmen? Die Senioren müssten in einer vollstationären Pflegeeinrichtung untergebracht werden. In Fällen, in denen die Heimnotwendigkeitsbescheinigung nicht ausgestellt wird, bleibt dann nur noch die professionelle Pflege durch ambulante Pflegedienste.

Aber in beiden Fällen gilt: Es wird Monat für Monat teurer für die Pflegekassen!

Dazu nachfolgend eine fiktive Kalkulation, die nicht real ist und dennoch so oder ähnlich zutreffen würde:

Gehen wir einmal von 2.340.000 pflegebedürftigen Menschen in Deutschland aus.
Davon werden, wie oben angenommen, 69% also 1.620.000 Menschen in den eigenen vier Wänden gepflegt.
Die unglaublilche Zahl von rund 1.065.000 Pflegebdürftigen werden allein durch die Hände von pflegenden Angehörigen gepflegt.
Nehmen wir weiter an, dass alle pflegebedürftigen Personen aus dem oben genannten Beispiel „nur“ die Pflegestufe 1 haben.
(Die Realität sind anders aus: Pflegestufe I: 680.000 ; Pflegestufe II: 303.000 ; Pflegestufe III: 82.000)
Nehmen wir weiter an, dass keine einzige dieser pflegebedürftigen Personen eine Heimnotwendigkeitsbescheinigung ausgestellt bekommt.
Dann müssten die Pflegekassen allein aufgrund dieser, sehr schön gerechneten Betrachtung, für 1.065.000 Menschen jeden Monat 215 EUR mehr an Leistungen zahlen.
(Leistungsart Geldleistung bei Pflegestufe I = 225 EUR pro Monat und Leistungsart Sachleistung bei Pflegestufe I = 440 EUR pro Monat)

Zusammenfassend bedeutet das eine Mehrbelastung von 228.975.000 EUR pro Monat. Das macht in einem Jahr 2.747.700.000 EUR!

Können Sie die Zahlen nicht mehr eindeutig erkennen?

Ich helfe Ihnen gern und schreibe diese nachfolgend einmal für Sie aus:

Pro Monat: Zwei Millionen Neunhundertfünfundsiebzigtausend Euro
Pro Jahr: Zwei Milliarden Siebenhundertsiebenundvierzigmillionen Siebenhunderttausend Euro

Ersparen Sie mir und vor allem Ihnen als Leser, an dieser Stelle die echten Zahlen, also unter Berücksichtigung der tatsächlichen Pflegestufen, darzustellen. Abgesehen davon, würden nicht alle Heimnotwendigkeitsbescheinigungen abgelehnt werden können und somit wäre die Zahlungsverpflichtung der Pflegekassen für die stationäre Unterbringung in einer Pflegeeinrichtung noch um ein Vielfaches höher.

Unter Umständen werde ich zukünftig an dieser Stelle einmal eine realere Sicht darstellen, wenn meine Zeit dies zulassen sollte.

Eines ist jedoch klar:

Pflegende Angehörige sind eine grosse Stütze der Gemeinschaft. Sie leisten täglich und ohne auf den eigenen Vorteil zu achten Unglaubliches, erhalten dafür keinen Verdienst und kaum Anerkennung.

Wenn Sie pflegende Angehörige kennen, laden Sie diese Menschen mal zu einem Eis ein, kochen Sie einmal für sie oder schenken Sie ihnen einfach ein paar Blumen.