Personen mit eingeschränkter Alltagskompetenz (PEA)

Als Alltagskompetenz bezeichnet man die Fähigkeit, die Dinge des täglichen Lebens (aus geistiger Sicht), selbständig durchführen zu können. Zum Beispiele den Tagesablauf selbstständig zu planen und durchzuführen, Orientiert sein (zeitlich und örtlich), einen geregelten Tag- Nachtrhythmus zu haben etc..

Eine eingeschränkte Alltagskompetenz hat nichts damit zu tun, dass Menschen mit einer Mobilitätseinschränkung nicht mehr alle Dinge des Alltags selbständig erledigen können, weil körperliche (nicht geistige) Einschränkungen dies nicht zulassen.

Wir bemerken, im Rahmen unserer unabhängigen Pflegeberatungen, täglich das der Begriff „Alltagskompetenz“ in der Praxis fälschlicherweise häufig fehl interpretiert wird. Lassen Sie sich bei diesbezüglichen Unsicherheiten gern durch unsere Experten beraten!

Richtlinien / Gesetze

Richtlinie zur Feststellung von
Personen mit erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz und
zur Bewertung des Hilfebedarfs
vom 22.03.20021
geändert durch Beschlüsse vom 11.05.20062 und 10.06.2008 3

Der AOK-Bundesverband,
der Bundesverband der Betriebskrankenkassen,
der IKK-Bundesverband,
der Bundesverband der landwirtschaftlichen Krankenkassen,
die Knappschaft,
der Verband der Angestellten Krankenkassen e. V. und
der AEV – Arbeiter-Ersatzkassen-Verband e. V.

– handelnd als Spitzenverbände der Pflegekassen –

der Verband der privaten Krankenversicherung e. V.

haben unter Beteiligung der kommunalen Spitzenverbände auf Bundesebene, der
maßgeblichen Organisationen für die Wahrnehmung der Interessen und der Selbsthilfe der
pflegebedürftigen und behinderten Menschen auf Bundesebene und des Medizinischen
Dienstes der Spitzenverbände der Krankenkassen
aufgrund der §§ 45a Abs. 2, 45b Abs. 1 Satz 4 in Verbindung mit § 122 Abs. 2, § 53a Nr. 2
SGB XI sowie § 213 SGB V
am 22.03.2002, geändert durch Beschlüsse vom 11.05.2006 und 17.06.2008 gemeinsam
und einheitlich die Richtlinie zur Feststellung von Personen mit erheblich eingeschränkter
Alltagskompetenz und zur Bewertung des Hilfebedarfs beschlossen.
1 Dem Verfahren zur Feststellung von Personen mit erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz
vom 22.03.2002 hat das BMG mit Schreiben vom 01.08.2002 – Az.: 123 – 43371/3 – die
Zustimmung erteilt.
2 Dem Verfahren zur Feststellung von Personen mit erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz in
der geänderten Fassung vom 11.05.2006 hat das BMG mit Schreiben vom 21.06.2006 – Az.: 233-
43371/3 – die Zustimmung erteilt. Das Verfahren zur Feststellung von Personen mit erheblich
eingeschränkter Alltagskompetenz findet mit Wirkung vom 01.09.2006 Anwendung.
3 Der Richtlinie zur Feststellung von Personen mit erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz und
zur Bewertung des Hilfebedarfs vom 22.03.2002 in der geänderten Fassung vom 10.06.2008 hat
das BMG mit Schreiben vom 26.06.2008 – Az.: 233-43371/13 – die Zustimmung erteilt. Die
Richtlinie zur Feststellung von Personen mit erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz und zur
Bewertung des Hilfebedarfs findet mit Wirkung vom 01.07.2008 Anwendung und gilt –
entsprechend dem o. a. Schreiben des BMG – zunächst bis zum 30.06.2010.

1 Allgemeines
Menschen mit demenzbedingten Fähigkeitsstörungen, mit geistigen Behinderungen oder
psychischen Erkrankungen haben häufig einen Hilfe- und Betreuungsbedarf der über den
Hilfebedarf hinausgeht, der bei der Beurteilung von Pflegebedürftigkeit im Sinne von § 14
SGB XI und § 15 SGB XI Berücksichtigung findet. Für ambulant gepflegte bzw. versorgte
Versicherte mit erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz besteht ein – seit dem
01.07.2008 je nach Umfang des allgemeinen Betreuungsbedarfs gestaffelter – zusätzlicher
Leistungsanspruch (§ 45b SGB XI). Mit dieser Leistung werden insbesondere für die
Pflegeperson/-en zusätzliche Möglichkeiten zur Entlastung geschaffen und für Versicherte
mit erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz aktivierende und qualitätsgesicherte
Betreuungsangebote zur Verfügung gestellt.
Anspruch auf die Leistung nach § 45b SGB XI haben Pflegebedürftige der Pflegestufen I, II
und III und Personen, die einen Hilfebedarf im Bereich der Grundpflege und
hauswirtschaftlichen Versorgung haben, der nicht das Ausmaß der Pflegestufe I erreicht, mit
einem auf Dauer bestehenden erheblichen Bedarf an allgemeiner Beaufsichtigung und
Betreuung. Für Versicherte mit erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz, die sich in einer
vollstationären Pflegeeinrichtung befinden, haben die Einrichtungen ab dem 01.07.2008
einen Anspruch auf Vereinbarung leistungsgerechter Zuschläge zur Pflegevergütung, wenn
die Einrichtung ein zusätzliches über das normale Betreuungsangebot für pflegebedürftige
Menschen hinausgehendes Angebot der Betreuung und Aktivierung dieser Heimbewohner
vorhält (§ 87b Abs. 1 Satz 3 SGB XI).
Entsprechend der Definition der Feststellung der Pflegebedürftigkeit im SGB XI wird auch für
die Bestimmung des erheblichen Bedarfs an allgemeiner Beaufsichtigung und Betreuung
nicht auf bestimmte Krankheitsbilder wie z. B. Demenz abgestellt, sondern auf einen
tatsächlichen Hilfebedarf, der durch bestimmte Beeinträchtigungen bei Aktivitäten ausgelöst
wird, die zu Einschränkungen in der Alltagskompetenz führen. Der zeitliche Umfang dieses
Bedarfs ist dabei unerheblich. Grundlage für die Feststellung des Bedarfs an allgemeiner
Beaufsichtigung und Betreuung wegen Einschränkungen in der Alltagskompetenz sind allein
die in § 45a Abs. 2 SGB XI genannten Kriterien (vgl. Anlage 1).
2 Begutachtungsverfahren
Das Begutachtungsverfahren zur Feststellung dieses Personenkreises gliedert sich in zwei
Teile, ein Screening und ein Assessment (Punkt G 3.5 „Screening und Assessment zur
Feststellung von Personen mit erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz“ des
Formulargutachtens zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit gemäß SGB XI in den
Begutachtungs-Richtlinien) und baut auf der Begutachtung nach §§ 14 und 15 SGB XI auf.
Hierbei sind die Besonderheiten unter Punkt D 4. / III. / 8. „Besonderheiten der Ermittlung
des Hilfebedarfs bei Menschen mit psychischen Erkrankungen oder geistigen
Behinderungen“ der Begutachtungs-Richtlinien hinsichtlich der Vorbereitung der
Begutachtung und der Begutachtungssituation zu berücksichtigen. Die Grundlage für das
weitere Verfahren ist die Befunderhebung unter Punkt 3.2 „Beschreibung von
Schädigungen/Beeinträchtigungen der Aktivitäten/Ressourcen in Bezug auf den Stütz- und
Bewegungsapparat, die Inneren Organe, die Sinnesorgane und Nervensystem/Psyche“ des
Formulargutachtens zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit gemäß SGB XI (Punkt G der
Begutachtungs-Richtlinien). Dort sind die vorliegenden Schädigungen, vorhandenen
Ressourcen sowie die Beeinträchtigungen der Aktivitäten des täglichen Lebens zu
dokumentieren.

2.1 Screening
Das Screening (Punkt G 3.5 „Screening und Assessment zur Feststellung von Personen mit
erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz“ des Formulargutachtens zur Feststellung der
Pflegebedürftigkeit gemäß SGB XI in den Begutachtungs-Richtlinien) ist eine Auswertung
der Angaben unter Punkt 3.2 „Beschreibung von Schädigungen/Beeinträchtigungen der
Aktivitäten/Ressourcen in Bezug auf den Stütz- und Bewegungsapparat, die Inneren Organe,
die Sinnesorgane und Nervensystem/Psyche“ des Formulargutachtens zur Feststellung der
Pflegebedürftigkeit gemäß SGB XI (Punkt G der Begutachtungs-Richtlinien) mit dem Ziel der
Feststellung, ob ein Assessmentverfahren durchzuführen ist. Hierzu ist in der Tabelle der
spezifische Hilfebedarf (nicht jedoch der Pflegebedarf) bei Personen mit demenzbedingten
Fähigkeitsstörungen, geistiger Behinderung oder psychischer Erkrankung zu erfassen. In der
Tabelle ist zu „Orientierung“, „Antrieb/Beschäftigung“, „Stimmung“, „Gedächtnis“, „Tag-
/Nachtrhythmus“, „Wahrnehmung und Denken“, Kommunikation/Sprache“, „Situatives
Anpassen“ und „Soziale Bereiche des Lebens wahrnehmen“ jeweils eine Bewertung
„unauffällig“ oder „auffällig“ abzugeben. Ein Assessment ist nur dann durchzuführen, wenn
das Screening positiv ist. Dies ist der Fall, wenn
– mindestens eine Auffälligkeit in der Tabelle abgebildet ist, die ursächlich auf
demenzbedingte Fähigkeitsstörungen, geistige Behinderung oder psychische
Erkrankungen zurückzuführen ist und
– hieraus ein regelmäßiger und dauerhafter (voraussichtlich mindestens sechs Monate)
Beaufsichtigungs- und Betreuungsbedarf resultiert.
Regelmäßig bedeutet, dass grundsätzlich ein täglicher Beaufsichtigungs- und
Betreuungsbedarf besteht, dessen Ausprägung sich unterschiedlich darstellen kann. So
kann bei bestimmten Krankheitsbildern in Abhängigkeit von der Tagesform zeitweilig eine
Beaufsichtigung ausreichen oder auch eine intensive Betreuung erforderlich sein.
Werden im Screening (Tabelle in Punkt G 3.5 „Screening und Assessment zur Feststellung
von Personen mit erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz“ des Formulargutachtens zur
Feststellung der Pflegebedürftigkeit gemäß SGB XI in den Begutachtungs-Richtlinien) Items
als auffällig dokumentiert, die keinen Beaufsichtigungs- und Betreuungsbedarf erfordern und
daher kein Assessment auslösen, ist dies im Formulargutachten zu begründen.
Bei bereits festgestellter erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz hat der Gutachter zu
überprüfen, ob die im vorherigen Assessment bestätigten Beeinträchtigungen der Aktivitäten
weiterhin bestehen oder sich Veränderungen ergeben haben.
2.2 Assessment
Das Assessment (Punkt G 3.5 „Screening und Assessment zur Feststellung von Personen
mit erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz“ des Formulargutachtens zur Feststellung
der Pflegebedürftigkeit gemäß SGB XI in den Begutachtungs-Richtlinien) ist generell zu
erstellen, wenn das Screening entsprechend den vorstehenden Ausführungen positiv ist.
Unerheblich ist, ob die Voraussetzungen für die Einstufung in eine Pflegestufe erfüllt sind
oder ob der Versicherte häuslich oder stationär versorgt wird. Mit dem Assessment erfolgt
die Bewertung, ob die Einschränkung der Alltagskompetenz auf Dauer erheblich ist. Dazu
werden
– krankheits- oder behinderungsbedingte kognitive Störungen (Wahrnehmen und
Denken)
sowie
– Störungen des Affekts und des Verhaltens
erfasst.
Ein Assessment-Merkmal ist dann mit „Ja“ zu dokumentieren, wenn wegen dieser Störungen
– ein Beaufsichtigungs- und Betreuungsbedarf,
– auf Dauer (voraussichtlich mindestens sechs Monate) und
– regelmäßig besteht.
Regelmäßig bedeutet, dass grundsätzlich ein täglicher Beaufsichtigungs- und
Betreuungsbedarf besteht, dessen Ausprägung sich unterschiedlich darstellen kann. So
kann bei bestimmten Krankheitsbildern in Abhängigkeit von der Tagesform zeitweilig eine
Beaufsichtigung ausreichen oder auch eine intensive Betreuung erforderlich sein.
Die Fragen sind eindeutig mit „Ja“ oder mit „Nein“ zu beantworten. Die einzelnen Punkte sind
zu beobachten oder fremdanamnestisch zu erfragen und gutachterlich zu würdigen.
Das Assessment erfasst die 13 gesetzlich festgeschriebenen Items. Nachfolgend werden für
die 13 Items besonders typische und eindeutige Beispiele beschrieben, in denen ein „Ja“ zu
dokumentieren ist. Eine abschließende und vollständige Aufzählung aller Situationen, in
denen sich psychopathologische Störungen manifestieren, ist nicht möglich.
1. Unkontrolliertes Verlassen des Wohnbereiches (Weglauftendenz)
Ein „Ja“ ist zu dokumentieren, wenn der Antragsteller seinen beaufsichtigten und
geschützten Bereich ungezielt und ohne Absprache verlässt und so seine oder die Sicherheit
anderer gefährdet. Ein Indiz für eine Weglauftendenz kann sein, wenn der Betroffene z. B.:
– aus der Wohnung heraus drängt,
– immer wieder seine Kinder, Eltern außerhalb der Wohnung sucht bzw. zur Arbeit
gehen möchte,
– planlos in der Wohnung umherläuft und sie dadurch verlässt.
2. Verkennen oder